11.-13. Dez. – Ottawa

Peace TowerNun, nach dreieinhalb Monaten in Kanada, sehe ich die Hauptstadt. Ottawa. Für diejenigen, die nicht gewusst haben dass Ottawa die Hauptstadt von diesem riesigen Land ist, macht nichts, ging mir vor meiner Zeit in Kanada genauso. Daher werde ich in diesem Artikel etwas darueber schreiben, wie Ottawa zur Hauptstadt wurde, ein paar allgemeine Fakten ueber Ottawa heute, und natuerlich werde ich auch, unterstützt von vielen Bilder und einem Video, von meinem Aufenthalt berichten. Der Bericht ist etwas länger geworden, aber lesen lohnt sich!

Wie Ottawa zur Hauptstadt wurde…
Die meisten stellen sich die grossen oder bekannten Städte wie Montreal, Vancouver oder Toronto als Hauptstadt vor, doch warum ausgerechnet Ottawa die Hauptstadt ist, hat mehrere Gründe, der wichtigste ist ganz einfach: Sie liegt in Kanadas Mitte. Wer doch schon einmal was von Ottawa gehört hat und weiss wo in Kanada Ottawa liegt, wird sich denken, die Kanadier haben eine sehr komische Definition von “Mitte” so östlich wie Ottawa liegt. Doch im Jahr 1857, als die englische  Königin Victoria Ottawa zur Hauptstadt gemacht hat, stimmte dass. Damals lag Ottawa naemlich exakt auf der Grenze der damals einzigen Zwei Kanadischen Provinzen: Kanada West und Kanada Ost (Upper and Lower Canada) dem heutigen Ontario und Quebec. Ausserdem lag Ottawa exakt 500 Kilometer zwischen den Provinzhauptstädten Toronto und Quebec City. Da Ottawa ausserdem im Hinterland von Wäldern umrundet liegt, war es, im Gegensatz zu den meisten anderen kanadischen Großstädten, schwerer anzugreifen. Da die Amerikaner schon damals sehr kriegslustig waren, erschien den Politikern das als die sicherere Variante als z.B. Toronto.

Fakten ueber Ottawa…
Ottawa liegt in Ontario, am Ottawa River direkt an der Grenze zu Quebec. Ottawa ist mit 812’000 Einwohnern nach Toronto, Montreal und Calgary die viertgrößte Stadt in Kanada. Die meisten Menschen arbeiten für die vielen verschiedenen Bereiche der Regierung oder Verwaltung oder in der Microchip-Technologie. Die Stadt wurde erst 1850 als Bytown erstmals erwähnt. Die Einwohnerzahl stieg in den letzten Jahrzehnten stark an, nachdem der Einfluss der einheitlichen Regierung für Ganz Kanada immer grösser geworden ist. Ottawa ist in ganz Ontario die einzige Stadt welche offiziell zweisprachig ist. Neben Englisch (60%) spricht man noch Französisch (15%), die fehlenden 25% enthalten die verschiedenen Sprachen der vielen verschiedenen Einwanderer welche im laufe der Jahre nach Ottawa gekommen sind (vor allem Japaner, Chinesen und Menschen aus dem Nahen Osten). Die Temperatur ist im Jahresdurchschnitt mit 7.1 °C etwa 4 °C kälter als in Stuttgart (11°). Der Januar mit einer Durchschnittstemperatur von fast minus 11 Grad hat es in sich. Temperaturen von minus 20 Grad oder kälter sind keine Seltenheit.

Wo liegt Ottawa denn jetzt genau?
Hier:

View Larger Map
Wenn man näher ranzoomen möchte, ist es am einfachsten einfach auf den Link “View Larger Map” unter der Karte zu klicken.

Bericht von Ottawa

Freitag, 11. Dezember
Nach einem gesunden Frühstück (Toast mit Bacon, Ei, Bohnen, Pfannkuchen und Ahornsirup) sind Fred und ich mit unserem gemieteten Chrysler Cruiser aufgebrochen nach Downtown (Städtle) Ottawa zur Entdeckungsreise. Der erste Punkt auf der Tagesordnung war der so genannte “Parliament Hill”, das Regierungsviertel auf’m Hügel mitten im Herzen von Ottawa. Auf dem Parliament Hill steht nicht nur das eigentlich Parlamentsgebäude sondern auch noch zwei andere Regierungsgebäude umrundet von hohen Gebäuden der Verwaltung und mehr oder weniger wichtigen Ministerien von Kanada. Wenn man einmal in Ottawa war, wundert es nicht mehr, dass die kanadische Regierung mit Abstand der grösste Arbeitgeber im Land ist, als Beweis sind in der Bildergalerie am Ende dieses Artikels ein paar Fotos von Regierungsgebäuden.
Da die Sicherheitsvorkehrungen  in den letzten Jahren viel strenger geworden sind, kann man nicht mehr, wie es laut Fred früher möglich war, direkt vor dem Parlament parken, sonder muss sich Downtown einen Parkplatz suchen. Aber, abgesehen davon, dass die Höchstparkdauer auch für Touristen bei einer Stunde liegt, ist auch dass kein Problem und man ist innerhalb von 3 Minuten im Parlament. Nachdem man uns eine kostenlose Parlamentsführung angeboten hat, zu der wir natürlich nicht nein gesagt haben, haben wir am eigenen Leib erfahren was richtige Sicherheitskontrollen sind. Während man am Flughafen in Halifax auf dem Weg nach Ottawa noch nicht einmal einen Ausweis vorzeigen musste und bei laut piepender und blinkender Sicherheitsschleuse durch gewunken wurde, musste man im Parlamentsgebäude Gürtel und Schuhe ausziehen und vorführen das iPod, Handy und Kamera funktionieren und keine Attrappen sind. Die Führung durch das erst im 1. Weltkrieg erbaute Gebäude war sehr gut man durfte auch “Hinter die Kulissen” blicken. Zum Beispiel waren wir in der Bibliothek in die nur die Abgeordneten dürfen und haben bei einer Sitzung des Senats zugeguckt (2 Minuten, war nicht sehr spannend). Der Senat entspricht dem deutschen Bundesrat, soll die Gesetzentwürfe des House of Commons (entspricht Bundestag) prüfen, sagt aber zu allem ja und besteht, laut Fred, aus alten Lobbyisten welche nicht genug Geld haben können. Die Senatoren werden naemlich von der Regierung ernannt, bleiben so lange im Senat bis sie keine Lust oder genug Geld haben bekommen über 70000 C$ im Jahr, müssen aber nur  bei den ganz wichtigen Sitzungen anwesend sein. Aufgrund einer Pressekonferenz durften wir nicht in das House of Commons. Auch im Senat war absolutes Aufnahme Verbot, daher nur ein Bild aus dem Internet.

Nach unserem Ausflug zum Parlament sind wir insgesamt, mit einer Stunde Pause, 6 (!!!) Stunden im Auto durch Ottawa und Umgebung gefahren. Da Fred seine gesamte Kindheit in Ottawa verbracht hat kannte er sich dementsprechend gut aus und konnte viel zeigen, so dass es überhaupt nicht langweilig war und wir nach 5 Stunden selber überrascht waren wie schnell die Zeit vergeht. Wir haben unter anderem Wasserfälle im Stadtpark gesehen, indem wir auch ein paar Minuten im Tiefschnee in Turnschuhen rumgelaufen sind, bis uns die Füsse abgefroren sind. Danach haben wir uns auf den Weg zu Freds wurzeln gemacht. Haben die Häuser angesehen, in denen er vor 40 Jahren und mehr gelebt hat und wo er zur Schule ist. Von seiner High School mit einem Footballfeld, zwei Sporthallen und Platz für 2400 Schüler, von der er immer geschwärmt hat, ist leider nur noch ein grosser Erdhaufen übrig geblieben. Sie wurde diesen Sommer abgerissen. Nach diesem Schock sind wir über den Ottawa-River nach Hull gefahren, der ersten Stadt auf der Seite von Quebec. Dort fällt sofort auf, dass alle Schilder nur noch auf französisch und nicht mehr auf englisch und französisch, wie in Ottawa üblich, sind. Die Québécois (Einw. Quebecs) sind in allen anderen kanadischen Provinzen überaus beliebt, da sie mehr Staatliche Gelder als alle anderen Provinzen erhalten, um sie zufrieden (und vor allem ruhig) zu stellen. Ausserdem erwarten die Québécois dass wenigstens in den Nachbarprovinzen Quebecs alle Schilder auf Englisch und Französisch sind, da ja beide Sprachen Landessprache sind. In Quebec hat man jedoch beschlossen dass französisch einzige Landessprache ist. Wenn man jemanden etwas auf englisch fragt, wird man harsch darauf hingewiesen das man in Quebec ist und gefälligst französisch zu sprechen hat. Aus diesem Grund haben Fred und ich Quebec auf dem schnellsten Weg wieder verlassen und sind nach Rockcliffe Park gefahren. Hier liegen, neben dem Haus des Premierministers, (noch, Stephen Harper) die meisten Botschaften und ein Luftfahrtmuseum. Nachdem man das Haus des Premiers passiert hat, von dem man vor lauter Polizeiautos eigentlich nichts sieht, kommt man an einer etwas zu pompös geratenen Botschaft vorbei. Entgegen unserer ersten Vermutung dass es sich um die Botschaft der Amerikaner handelt, ist dass der Neubau der Botschaft von Saudi Arabien und der Vereinigten Arabischen Emirate. Zirka 300 Meter später sind man dann auf einem Hügel ein weiteres Botschafts-Schloss. Das war dann das 12’000 Quadratmeter (laut US Webseite) grosse Anwesen der bescheidenen Amerikaner. Die Botschaften der europäischen Länder haben wir nicht gesehen, die liegen alle in einer Seitenstrasse irgendwo im Wald. An den wunderschönen Neubau des Aviation- (Luftfahrt-) Museums ist ein kleiner Flughafen angeschlossen für die Privatjets der Diplomaten, da der internationale Flughafen am anderen Ende der Stadt liegt.
Nach diesen ganzen Eindrücken haben wir den Tag mit einen typisch kanadischen Abendessen abgeschlossen: Wir waren bei der Donut und Sandwichkette Tim Hortons.

Samstag, 12. Dezember
Der Samstag stand dann im Zeichen der Familienfeier, dem eigentlichen Grund für unseren Aufenthalt. Am Morgen ging es los zu dem Haus von Freds Schwester. Nach zirka 20 Minuten kommt man am Scotiabank Place vorbei. Dem Stadion der Ottawa Senators, dem Eishockey NHL Team der Hauptstadt. Von dem 20000 Zuschauer fassenden Stadion sieht man nur den obersten der drei Ringe. Die restlichen 2 Drittel und das Eis liegen unterhalb der Oberfläche.  Am Haus der Schwester angekommen, kam ich aus dem staunen (und essen) nicht mehr heraus. Aus einem kleinen Cottage (Ferienhaus) ist im laufe von 20 Jahren ein riesiges Haus mit 7 Schlafzimmern, Whirlpool, Bar, Bootshaus (+ Speedboot und Wasserski) und Sonnenterrasse direkt am See geworden. Wie üblich im Winter, war der See zugefroren sodass aus einer Spritztour mit dem Boot nichts geworden ist. Nach einem schönen vorgezogenen Weihnachtsfest und mit vollem Bauch sind am Abend alle ins Bett gefallen.

Sonntag, 13. Dezember
Am letzten Tag unserer kleinen Ottawa-Reise sind wir zum Mittagessen zu “Red Lobster” gegangen. Einer Restaurantkette in Kanada, die es in Halifax leider nicht gibt. Da während unserem Essen das Schneechaos eingebrochen ist, war keine Zeit mehr zum Fotos machen und wir haben uns gleich auf den Weg zum Flughafen gemacht. Dort angekommen hat uns eine sehr rote Liste mit den ankommenden und abgehenden Flügen erwartet. Auf Grund des Schnees wurden alle Flüge in Richtung Westen gestrichen. Da Halifax ja zum Glück östlich von Ottawa liegt, sind wir mit einer halben Stunde Verspätung und zwei Enteisungsdurchgängen doch noch nach hause gekommen.

Das war also der ausführliche Bericht meines Trips. Jetzt kommen noch einige Bilder mit Beschreibung, damit ihr euch alles etwas besser vorstellen könnt. Nach dem klicken auf das erste Bild, könnt ihr unterhalb des angezeigten Bildes auf die Vorschau des folgenden klicken.

In den nächsten Wochen werde ich auch noch das Video hier zum Artikel hinzufügen. Danke schon im Voraus fuer die Kommentare.



 

6 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein, Halifax

6 Antworten zu 11.-13. Dez. – Ottawa

  1. Mama

    Hallo lieber Jan,

    ein grandioser Bericht von einem grandiosen Wochenende. Vielen Dank !!

    Es ist unglaublich, was Fred dir alles zeigt und an was er dich teilhaben lässt.

    Nun hoffe ich sehr, dass du ohne Schneestürme nach Hause kommst. Geniesse die letzten Tage – wir freuen uns unheimlich auf dich !!

    Deine Mama

  2. Papile

    Hallo mein Grosser,

    da bin ich ja richtig neidisch :-)
    Toller Bericht und es ist wirklich unglaublich was Dir Fred alles so zeigt. Ich bin mir sicher, Du wirst Deinen Aufenthalt nie vergessen.

    Ich freu mich auf Dich und Fips zählt auch schon die Tage ……….

    Alles Liebe

    Dein Papa

  3. Husbi

    Lieber Jan,

    wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, über das, was Du so alles erlebst, über Deine informative und großartige Berichterstattung und über die schönen Bilder.
    Husbis Kommentar befindet sich unter dem Bild “Flugzeug im Schnee”.
    Wir danken Dir für alles ganz herzlich und
    freuen uns sehr auf Dich.

  4. Dorle's Family

    Hallo Jan,

    wir sind beeindruckt!
    Tolle Erlebnisse, wunderbarer Bericht.
    Da überkommt uns direkt das Fernweh; es fehlt nicht viel und wir packen die Koffer…

    Erstmal freuen wir uns auf deine Rueckkehr nach dieser ereignisreichen Zeit, Bietigheim ist auch ganz schön :-) )

    Herzliche Gruesse an Fred, der dir so viel von seiner schönen Heimat gezeigt hat .

    Liebe Gruesse
    Oma und Opa

  5. Mann von TABF

    Hi großer Neffe,

    erneut ein toller Bericht. Macht immer wieder Spaß zu lesen, deshalb mein Wunsch, daß wenn du nach Bietigheim zurückgekehrt bist, auch einen Blog von deinem Leben hier einrichtest ;-)

    Genieße die verbleibenden Tage und bis bald.

    Mann von TABF

  6. `s Onkele

    Hallo Jan,

    so nun habe ich es auch geschafft Deinen tollen Bericht zu lesen. Echt super, tolle Bilder und vieeeel Allgemeinbildung. Aber ob du es glaubst oder nicht es schneit auch bei uns 3 – 7 Flocken. Naja vielleicht
    klappt es ja mit weiße Weihnachten.

    Wir gehen heute auf den Ludwigsburger Christkindl-Markt, freue mich auf einen Glühwein bei – 3 Grad, denn bis vor ein paar Tage hatten wir noch ca. + 10 Grad.

    So das waren wohl für mich die letzten Sätze per Mail, ich hoffe wir sehen uns über die Weihnachtstage.

    Wir freuen uns und sind schon gespannt auf deine
    “Life-Berichte”.

    Hoffentlich gibt es bei Deiner Heimreise kein Schneegestöber! Guten Flug bis bald

    Ciao und liebe Grüße Alex & Co aus Ingersheim

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